Rosa, Rosarot blüht das Toilettenpapier auf

Petite histoire a l’eau de rose – Materialerprobung mit Rosa-Toilettenpapier

Treffen sich Rosa Toilettenpapier und Erfindungsreichtum. Sagt das eine zum Andern: setz die rosarote Brille auf, um sie wieder absetzen zu können.

In unglaublicher Vielfalt bietet Barbara Melios in ihrem Stück einen einen Ein-Blick auf Ideale von Schönheit und Liebe in Rosa. Mal parodistisch, mal allerliebst erkundet sie die Geschichte des Rosa – und wirft spannende Fragen an eine Ästhetik des Wahren und Schönen auf.

(Hinter)Fragen einer Kultur, die in ihrem Konsum fest an von Marketing predesigned ideas of beauty treudoof glaubt. Dabei greift sie auf ein Repertoire an illusionbrechenden Mitteln zurück: von der Parodie, der Satire über Verfremdung und Übertreibung ist alles dabei, was das Rosa-Herz begehrt. In der ersten Stückphase spielt sie mit der Motivik von Selbstmotivations-CDs, die an sich schon die Wahrheit verzerren. In der übermäßigen Wiederholung (SprichmirnachSprichmirnachSprichmirnach) wird aber ihre Absurdität an sich enttarnt. Die zweite Stückphase beginnt in einer klassischen Märchensituation, in die dann wieder die Wirklichkeit einbricht. Das es zum Ende zu der wohl schrägsten Sex-Szene im Figurentheater – zumindest für mich – zwischen zwei Toilletenfiguren kommt, setzt die Reduzierung aufs Wesentliche und das einzig Wahre sinngemäß fort.

Überhaupt sind die Figuren und die Möglichkeiten der Spielweisen, die Melios dem Toilettenpapier abgewinnt, äußerst beachtenswert. Ob als Perücke, Elefant, Kleider, Menschenpuppen, Vögel – ein Feuerwerk für jede Art der Imagination. Während diese stellenweise direkt vor den Augen der Zuschauer entstehen, offenbaren sie das „im Jetzt sein“ eines jeden (Theater)Moments. Und damit auch – im Übertragenen- die Vergänglichkeit der Schönheit.

Präsentiert wird das alles auf einer Art Ladentheke, die ein wenig an die übermäßig aufgebauschte Atmosphäre von Schönheitssalons erinnert. Die Thekensituation schafft den Ort für eine Verhandlung und Auseinandersetzung mit der Ästhetik der Wirklichkeit. Mit dem wahren Handel der Schönheit, der außerhalb des Theaterraums tagtäglich in den modernen Tempel des angeblich Wahren und Schönen. Aufmunternd war dies Stück, das sich endlich dem Eigentlichen zuwendet: der kritischen Betrachtung mit RosaHerz und RosaWitz.

Zur Vergänglichkeit der Schönheit noch eine Kleinigkeit vom großen Brecht:

Bertolt Brecht

Entdeckung an einer jungen Frau

Des Morgens nüchterner Abschied, eine Frau
Kühl zwischen Tür und Angel, kühl besehn
Da sah ich: eine Strähn in ihrem Haar war grau
Ich konnt mich nicht entschließen mehr zu gehn

Stumm nahm ich ihre Brust, 5 und als sie fragte
Warum ich Nachtgast nach Verlauf der Nacht
Nicht gehen wolle, denn so war’s gedacht
Sah ich sie unumwunden an und sagte

Ist’s nur noch eine Nacht, will ich noch bleiben
Doch nütze deine Zeit; das ist das Schlimme
Daß du so zwischen Tür und Angel stehst

Und laß uns die Gespräche rascher treiben
Denn wir vergaßen ganz, daß du vergehst
Und es verschlug Begierde mir die Stimme

Bertolt Brecht

Leave a comment »

Leider!

Leider ist es unmöglich für das tiyatrotem anzureisen. Eine Aschewolke aus Island hat es verhindert. Sehr, sehr schade. Somit wird „Wie erzählt man das?“ leider ausfallen. Als Ersatz werden am Freitag Abend in Hamm das Theater miniart aus Bedburg-Hau mit dem Stück „Ente, Tod und Tulpe“, eine Kinderbuchadaption, spielen.

Bleibt mir nur ein bitterer Witz:

Islands letzer Wille: Verstreut meine Asche über Europa!

Leave a comment »

Inszenierungsgespräche Theater o.N. & AktionsTheaterKassele

Das Theatergespräch moderierte Anke Meyer, herzlichen Dank!

Theater o.N.

Durch die Umstände in denen sich Theater ereignet, wird es politisch

Nicht originär politsiches Theater

Formen offenhalten

eigene Biografie in Zeitbezug wird politisch

„über die Kunst gehen“

Ensemblegedanke/wie werden Entscheidungen getroffen/kollektiv?

AktionsTheaterKassel

Freies Theaer = Veränderung – in Bewegung sein – unterwegs sein – Räume öffnen

Räumen bedingen eine Inszenierung

Kooperationen eingehen

Raum/Bildhaftigkeit/Kunstgrenzen auflösen

Was beide beschäftigt:

Sich in den Strukturen einrichten/zurechtfinden/neuerfinden – Was bedeutet „Freies Theater“?

Deshalb folgt hier morgen ein kleiner Artikel „Über die Freiheit des freien Theaters“ (AT)

Leave a comment »

Kämpf mit mir!

Erbs und Bohn-Duell – alles andere als eine Kurzschlussgeschichte

Wenn man nach einer Inszenierung hört, das der Autor des Stücks selbiges in einer Nacht geschrieben haben will. Und dann das einzige was man sich im Notizbuch als ganzen Satz, unfragmentarisch, während des Stückes notiert hat, Was passiert nach einem Kurzschluss? ist, bin zumindest ich geneigt eine Analogie zu ziehen.

Aber da das nur Mutmaßungen sind, wenden wir uns lieber dem Bühnengeschehen zu. Das zwischen herrlich absurd und bitter ernst pendelnde Erzählen, dessen Entsprechung sich sowohl im Bühnenbild, im Spiel und in den Objekten findet, wäre zu erwähnen. Der ständige Bruch zwischen Geschichte-Sein und Geschichte-erfinden. Zwischen Illusion und der Illusion in der Illusion zeigen die beiden Spielerinnen ein herrlich wildes, groteskes Spiel.

Gerade hier wird es stark: Wenn die verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit auf der Bühne, sprich die Illusionen, aufeinandertreffen uns so ganz nebenbei die eigentliche Illusion enttarnt, gebrochen und sichtbar wird, die das Theater einst einmal ausmachten. Wenn ein Kurzschluss erzeugt wird.

Beispielsweise wirkt der Beginn des Stücks wie eine moderne Abhandlung über die Frage: Was machen wir, wenn der Strom ausfällt. Wenn Fernsehen und Internet sich gegenseitig gut Nacht sagen. Wie aktuell die Frage ist, beweist nicht nur eine kleine Aschewolke aus Island zur Zeit an Hand des Flugverkehrs. Wie abhängig wir bereits von Konsum sind und was dagegen zu setzen ist, das phantastische Erfinden, wird eindrucksvoll bewiesen.

Die Schauspielerinnen nehmen uns vorerst die Aufgabe ab und tragen uns umher in einer wilden Geschichte. So wie es in ihrer beiden Spiel eine dauernde Konkurrenz untereinander gibt, die meist liebevoll, aber doch wie zwei sich nicht einig werden wollende Schwester ausgetragen wird, so verhält es sich auch um Konsum und Phantasie.  Durch Konsum wird der eigene Erfindungsreichtum blockiert.  Ist auf der anderen Seite zu viel Phantasma, läuft die Wirklichkeit aus dem Ruder. Wie sie aus dem Ruder laufen kann, beweist das Stück.

Der Kurzschluss-Moment

Deshalb wäre es zu kurz geschlossen, diesem Stück nicht eine gewisse gesellschaftliche Relevanz nachzusagen. Es verhandelt auf allen Ebenen das Verhältnis zwischen Illusion und Wirklichkeit. Verwirrt bin ich zwar nicht gerade, aber dennoch überrascht: Wie wirklich ist die Illusion und wie viel Illusion steckt in der Wirklichkeit? Und in wie weit stecken wir dauerhaft in Ihrer Konkurrenzsituation fest? Eins allerdings weiss ich bestimmt: Die Kraft des, und das betone ich, miteinander konkurrieren treibt uns. Als kleinerer Bruder habe ich es gelernt. Aber: eine scheinbare Warenvielfalt wird niemals an den wunderschönen Wahnsinn unserer Phantasie heranreichen.

P.S. Da ich Erbs und Bohn Duell in Selm angeschaut habe, möchte ich nur zweierlei noch sagen: wahnsinniger Raum! Und es tut mir leid, das ich nichts über das Bühnenbild geschrieben habe.

Leave a comment »

Inszenierungsgespäch Eva Ledig

In kurzer Stenogramm-Form möchte ich über einzelne Inszenierungsgespräche erzählen. Vor allem über die Dinge, die mir vor allem anderem im Gedächtnis bleiben werden.

Eva Ledig – Le fil rouge theatre

Menschheit/Mensch-Sein: wer wir sind/wie wir wurden/wie wir werden

unsichtbares, das im Menschen ist, sichtbar machen

Entwicklung/Mythos/Traum

Eine Verbindung zwischen Erwachsen-Sein und eigener Kindheit

Der Kern der Kindheit ist unverändert – Dir großen Fragen werden weiterhin gestellt/bleiben präsent

„Das Leben in Frankreich ist nicht leicht für öffentliche Isntitutionen. Ob Gesundheit, Bildung oder Kultur. Es ist nicht leicht für alle, die sich um Menschen kümmern“

Eva Ledig

Leave a comment »

WasserWolkenWachsen

Wasserstaub – eine zarte Hymne an das Wachsen, Gedeihen und Welken

Mit poussiers d’eau des le fil rouge theatre eröffnete das 4. internationale Theaterfestival „hellwach“ die Gedankenräume. Die Zuschauer sitzen sich gegenüber, in der Mitte ein Steg aus Holzpanelen, der bespielt wird. Zu Beginn ist es ein warmes, zartes Innehalten einer älteren Spielerin. Wie aus einander anderen Zeit nimmt sie sich an einer Seite des Steges mit Ruhe und Bedacht den Kampf mit der schnellebigen Wirklichkeit auf. Nicht umsonst soll poussiers d’eau ein Traum sein. Mit dem Wasser, das die Erde fruchtbar macht und so überhaupt das Tragen von Frucht derselben ermöglicht, weiss sie umzugehen. Wasser als Elexier des Lebens, abgefüllt in einer Miniatur Gießkanne. Ihre Bewegung wirkt ruhig, bestimmt und gelassen. Wie anders Bewegung im Spiel sein kann, beweist ihr Gegenpart. Eine junge Frau betritt das Feld, sichtbar gefangen in schwarzen Kleid und an beiden Händen mit verdorrten Zweigen gefesselt . Die Zweigen lassen nicht zu, das sie sich selbst berühren kann.Sie wirkt unsicher, verschüchter, zaghaft und bildet so einen klaren Gegensatz heruas. Hier ein mühsames hervortasten auf der einen, hier ein sich selbst versichertes Auftreten auf der anderen Seite.

Stehen sie sich zuerst gegenüber, wie zwei Menschen, die aus verschiedenen Welten stammen – das beweist nicht zuletzt die kurze NachahmungsSpiegelsequenz als erstes gleichzeitiges Spiel – entwickelt sich langsam ein Miteinander. Über Bewegung zueinander in die Mitte des Steges scheint es wie einen sanften Zusammenprall zweier Menschen zu sein, die einander Abtasten. Jede auf ihre eigene Art.

So befreit die Ältere die Jüngere von den Zweigen, und die Junge tritt zum Ende des Stücks in die Schuhe der Älteren.  Begleitet wird das ganze Soundtechnisch oft mit dem Gesang der Silbermöwen – ein Symbol für das Weiterziehen über das Meer – mag man lesen. Ob die ältere am Ende stirbt, ob sie ihr Wissen vollständig weitergegeben hat oder bewusst sich zu Ruhe setzt, um die Junge machen zu lassen, bleibt offen. Zumindest eins bleibt: ihre Wege müssen sich zangsläufig trennen.

Erzählt wird eine Geschichte die ständig neue Assoziationsräume öffnet. Da ist die Wundersame Hängkonstruktion, ein Weisses Tuch an feinen Fäden. Mal wirkt es wie ein Segel, mal wie eine Wolken, mal wie Nebel oder die Gischt des Meeres.  Eine Geschichte über das Wachsen aus dem Woher Kommen, des Gedeihen in dem man ist und des Welkens in ein Wohin wir schreiten. Erzählt wird sie mit Bedacht, Sorgfalt, reduzierten Wörtern in denen jedes gut abgewogen scheint und mit zarten Klängen unterstützt wird. Ein kleines Stück von der Befreiung – von der Lastd es Alters, von der Last der eigenen Biografie und von der Furcht als Hemnis. Wenn am Ende die Ältere der Jüngere ein Wolknäuel übergibt, die sie zuvor mit Sorgfalt aufgerollt hat, ist das bildhafte Erzählen an seinem Höhepunkt angelangt. Die eine rollt zusammen, was die andere erst wieder ausrollen muss.

Leave a comment »

Eröffnung und „Danke, Deutsche Bahn“

Heute war Eröffnung. Das 4. Hellwach-Festival des Helios Theaters. Nur die deutsche Bahn wusste scheinbar nichts davon. Da verschwinde ich absichtlich eine Stunde früher aus dem „Brecht lesen“ Seminar, und was passiert: Alle Züge Richtung Hamm, sogar die ICE’s, hatten Verspätung. Erst später erfuhr ich, warum die Bahn auf sich warten ließ. Nicht wegen hoher Streckenauslastung, diese „Huch da ist ein Zug auf den Gleisen“ Ausrede, sondern um mich zu schützen. Vor der Rede von Provinznest-Bürgermeisterin Wäsche in schmuckem Drei-Teiler-Anzug.  Zwar verpasste ich dank der Deutschen Bahn auch den Beginn der Rede von Bettina Milz, aber das war weit weniger schlimm als sich das Gewäsch der Frau W. anhören zu müssen. Danke, Deutsche Bahn!

Reden von Bettina Milz und Dr. Hans-Joachim Wagner

Am Ende ihrer kurzen Rede ging Bettina Milz, Referatsleiterin in der NRW-Staatskanzlei für Theater und Musik  auf die Synergien der regionalen Kulturförderung ein. In der Tat ist sie ein probates Mittel geworden, um regional für eine dezentrale Struktur von Kulturvermittlung zu sorgen. Aus der Landessicht vor allem deshalb ein Erfolg, weil es, so Milz, einen „geschliffenen Diamanten“ wie das Helios-Theater ?produziert? hat. Bleibt abzuwarten, was der neue Masterplan Kultur des RVR für Diamanten schleift.

Hans-Joachim Wagner von der Kunststiftung NRW lobte die herausragende Stellung des Helios-Theaters als „künstlerisch ambitioniert“. Auch die Vernetzungsarbeit auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene sieht er als ein Grund, warum das Theater im Bereich des KJT an der Spitze der Förderung durch die Kulturstiftung NRW steht. Dies werde man „weiterhin stärken“. Ein Versprechen, das Frau Wäsche im letzten Jahr dem Theater auch noch gab – und dann in diesem Jahr ein Viertel des Etats mit kürzte. Das Versprechen der Kunststiftung schien ein ernstes zu sein – ungewöhnlich und überraschend hart und ehrlich ging der Fachbereichsleiter Musik/Darstellende Künste danach auf die Kürzungen am Helios-Theater ein. „Es kann nicht sein“ – dieser Satz ist in seiner Mittelmäßigkeit zwar einzigartig, in seiner klaren Unschärfe zwischen „Es darf nicht sein“ und „Es muss nicht sein“ ein Ausspruch von jemanden, der das dümmliche Verhalten des Andern, hier der Stadtführung, nicht begreifen, weder gutheißen noch ungesagt vorbeiziehen lassen will. Die Verantwortung liegt mit bei der Kommune – schrieb Wagner der Stadt ins Stammbuch. Da wirkte der übertriebene Applaus von Ulrich Weißenberg, Fachbereichsleiter Kultur in Hamm kurz vorher zur Förderung durch die Kulturstiftung wie die Freude eines kleinen Äffchens im Zoo, dem der liebe Mensch zwischendurch mal eine Erdnuß zuwirft. P.S. Es tut mir leid, liebes Äffchen, für diesen Vergleich!

Zum Abschluss: Barbara Kölling

Auch Kölling ging nochmals als künstlerische Leitung auf die Netzwerkarbeit und die Geschichte des Festivals „hellwach“ als regionales Projekt ein. Es mache sie „gemeinsam stolz“ mit den Netzwerkpartnern, bereits zum vierten Mal dieses Festival auszurichten. Aber sie zeigte sich bitter enttäuscht von der Stadtregierung einerseits und klar bestärkt von den Menschen in der Stadt andererseits. Sie ließ offen, wie genau ein „Wir machen weiter“ in dieser Stadt aussehen kann.

Ich mache weiter mit diesem Blog. Im Laufe des Tages kommt der erste Bericht zur Aufführung von „Wasserstaub“ – die erste deutsche Erstaufführung und ein schönes Stück, das den Spannungsraum Kinder/Jugend/ErwachsenSein/Mensch eröffnet hat. Und um 10:40 fahre ich Richtung Selm, um mir das „Erbs und Bohn-Duell“ anzusehen!

Leave a comment »

Herzlich Willkommen! Auf, Auf!

Herzlich Willkommen auf meinem neuem Blog. Ich baue ihn langsam auf. Ziel ist: Eine wie auch immer geartete Berichterstattung über das 4. internationale Theaterfestival „hellwach“ aufzufahren. Das Festival findet vom 20. – 27. April in der Region Hellweg statt. Auf-Richter ist das Helios-Theater in Hamm.

Auf Bald und GlückAuf!

Leave a comment »

Mein Haus

Deutsche Erstaufführung am 25. April um 11:00, 14:30 und 16:00 in Selm, am 26. April um 9:30, 11:00 und 16:00 in Hamm und am 27. April um 10:00, 11:30 und 16:00 in Lünen

Leave a comment »

Das Dach

Deutsche Erstaufführung am 25. April um 11:00 und 16:00 in Hamm, am 27. April um 8:30 und 10:30 in Bönen

Leave a comment »